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AutorenFrank Roselieb / Maria Deichmann Erstveröffentlichung im Krisennavigator (ISSN 1619-2389): Vervielfältigung und Verbreitung - auch auszugsweise - nur mit ausdrücklicher |

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von Frank Roselieb und Maria Deichmann
Nicht erst seit dem mehrtägigen Stromausfall im Südwesten Berlins Anfang Januar 2026 und dem Beginn des Iran-Kriegs am Persischen Golf Ende Februar 2026 kommt Krisenstäben bei der Bewältigung von außergewöhnlichen Lagen eine besondere Bedeutung zu. Auch nach den Ergebnissen der jährlichen Krisenpräventionsumfragen, die seit 2019 durchgeführt werden, sind Krisenstäbe das bis heute meist genutzte Instrument zur Krisenbewältigung. Ähnliches gilt laut der Katastrophenschutzumfrage 2024 für die Katastrophenstäbe im öffentlichen Bereich. Zudem fordern zahlreiche Normen, Standards und Dienstvorschriften die Einberufung von Stäben im Krisen- und Katastrophenfall – beispielsweise die DIN EN ISO 22361 zum Krisenmanagement, der BSI-Standard 200-4 zum Business Continuity Management, die Feuerwehr-Dienstvorschrift (FwDV) 100 und die Hinweise der Innenministerkonferenz zur Bildung von Verwaltungsstäben (VwS).
Doch wie wird die Arbeit der Krisen- und Katastrophenstäbe in der Praxis gestaltet? Welcher Führungsstil hat sich bei der Stabsarbeit bewährt? Mit welchen besonderen Herausforderungen sind die Stäbe konfrontiert? Wie unterscheiden sich betriebliche und behördliche Stäbe hinsichtlich ihrer Ausstattung und Arbeitsweise? Inwieweit orientiert sich die Stabsorganisation an den Vorgaben der Normen, Standards und Dienstvorschriften? In welchen Bereichen der Stabsarbeit kommt bereits Künstliche Intelligenz zum Einsatz? Antworten auf diese und weitere Fragen liefert die zweiteilige Reihe „Wunsch und Wirklichkeit der Stabsarbeit in Unternehmen, Behörden und Verbänden“. Während sich der erste Teil den Grundsätzen und Fallbeispielen „guter“ Krisen- und Katastrophenstabsarbeit widmet, werden im hier vorliegenden zweiten Teil die Ergebnisse der Krisen- und Katastrophenstabsumfrage 2025 präsentiert.
Zwischen dem 01. August und 30. September 2025 hat das Krisennavigator – Institut für Krisenforschung, ein Spin-Off der Universität Kiel, 83 betriebliche und 120 behördliche Stäbe schriftlich befragt. Bei knapp der Hälfte der Organisationen bestand der Stab aus bis zu zehn Personen. Die Hausspitze war bei vier von fünf Stäben als ständiges Mitglied eingebunden. Die technische Ausstattung und räumliche Infrastruktur der Stäbe hat ein sehr hohes Niveau erreicht. Besonders behördliche Stäbe schulen ihre Mitglieder sehr intensiv (88 Prozent), betriebliche Stäbe dagegen seltener (63 Prozent). 85 Prozent der befragten Organisationen waren bereits mit echten Krisen- und Katastrophenfällen konfrontiert – die Behörden am häufigsten mit Umweltereignissen (72 Prozent) und die Betriebe mit technischen Havarien (66 Prozent).
Den Führungsstil in betrieblichen Stäben nehmen die Befragten als eher etwas kooperativer als bei behördlichen Stäben wahr. Demgegenüber praktizieren behördliche Stäbe in der Wahrnehmung der Befragten einen etwas weitsichtigeren Führungsstil als die betrieblichen Stäbe. Dafür haben betriebliche Stäbe signifikant häufiger mit einer schlechten Fehlerkultur zu kämpfen (23 Prozent) als behördliche Stäbe (12 Prozent). Die größten Herausforderungen der Stabsarbeit sehen die Befragten im hohen Kommunikationsaufkommen, in der Ressourcenknappheit im Stab und im starken öffentlichen Fokus auf den Ereignissen. Den größten Nutzen stiftet die Stabsarbeit nach Ansicht der Befragten durch die bessere Abstimmung und den besseren Informationsfluss innerhalb der Organisation sowie durch eine optimalere Entscheidungsfindung.
Die ausführlichen Ergebnissen der Krisen- und Katastrophenstabsumfrage 2025 sind in folgendem Arbeitspapier enthalten. Dieses wird auch im Heft 04/2026 der Zeitschrift "KSI" veröffentlicht.
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Frank Roselieb / Maria Deichmann
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E-Mail: roselieb@krisennavigator.de
Erstveröffentlichung im Krisennavigator (ISSN 1619-2389):
29. Jahrgang (2026), Ausgabe 4 (April)

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Letzte Aktualisierung: Samstag, 11. April 2026 © Krisennavigator, Kiel / Hamburg. Alle Rechte vorbehalten.
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